Die "größte Weltraumserie der Welt" als Kinofilm - wobei schon
damals der Slogan "Geiz ist geil" zur Anwendung kam und dazu führte,
dass dieser Film bei den Fans der Roman-Heftchen in hundertprozentige Ungnade
fiel. Doch obwohl ultrabillig produziert und im Grunde eher ein
Euro-Agenten-Krimi als "richtige" Science Fiction, macht dieser
Albtraum jedes seriösen Science Fiction-Fans einfach unglaublich viel Spaß. Die
Kulissen sind bunt, die Kostüme verrückt und der Soundtrack einfach
unglaublich.
Der bis heute einzige Perry-Rhodan-Kinofilm (alle Versuche, den Erben des
Universums erneut auf die Leinwand zu bringen, sind bislang gescheitert) gehört
zu jenen Produktionen, die man eigentlich nur lieben oder hassen kann - wobei
echte Perry-Fans wohl zu letzterem tendieren. Die Story hält sich nur noch in
Grundzügen an den ersten Perry Rhodan-Roman "
Unternehmen Stardust"
und ähnelt sehr viel mehr den in den 60er Jahren so beliebten Agenten-Krimis a
la "
Kommissar X jagt irgendwas buntes"
Dem Perry Rhodan-Werkstattband ist zu entnehmen, dass ursprünglich Perry
Rhodan-Chefautor
K.H.Scheer (aufgrund seiner Faszination für das
militärische gern auch Handgranaten-Herbert genannt) das Script verfassen
sollte, was dieser jedoch ablehnte, da die Zeit dafür viel zu knapp war. Der
Autor, der daraufhin in Rekordzeit den ersten Roman verwursten durfte, hatte
halt mehr Erfahrung mit Krimis, als mit SF - und so wurde aus dem Gründer der
Dritten Macht und Vereiner der Erdenvölker halt ein lässiger Gangster-Jäger
;D Für alle, die mit dem "richtigen" Perry Rhodan nicht ganz so
vertraut sind: Einen Gangsterboß names Homer Arkin hat es in der Heftserie nie
gegeben; statt mit Gangstern wurde Rhodan dort mit den östlichen und westlichen
Machtblöcken konfrontiert und verhhinderte nicht weniger als den dritten
Weltkrieg, bevor er die Menschheit zur galaktischen Großmacht formte. Wie auch
immer, den Produzenten dürfte es wohl durchaus recht gewesen sein, denn ein
Krimi läßt sich halt wesentlich günstiger verfilmen, als ein aufwendiges
Science Fiction Epos
Während der Film hierzulande trotz großen Rührens der Werbetrommel
gnadenlos floppte, war er in Italien ein so großer Erfolg, dass sich bis heute
Gerüchte halten, es wäre dort noch eine Fortsetzung gedreht worden. Das ist
leider Quatsch mit Soße. Einer der Hauptkritikpunkte hiesiger Fans an dem
Streifen war übrigens, dass nicht Perry, sondern sein Kumpel Bully (der im Film
seltsamerweise Burly heißt, wie auch sowieso einige Namen verändert wurden)
die eigentliche Hauptrolle spielte. Aber immerhin bekommt Perry am Ende das
Mädchen

Optisch hat der Film, trotz seines sehr beschränkten Biudgets, doch einiges
zu bieten - allen voran natürlich Essy Persson als Arkoniden-Kommandantin
Thora, die wirklich verdammt sexy daher kommt; die Szenen in denen sie sich zum
Seli-Lovetheme (alias
Hamm... hammm... hamm...) hinter einer
halbtransparenten Wand entkleidet sind wirklich sehr nett gemacht. Und die
Arkon-Raumschiffe haben zwar, wie erwähnt, verdammte Ähnlichkeit mit einem
polierten Ofen, sehen aber trotzdem durchaus faszinierend aus. Phantasievoll und
bunt, statt aufwendig und teuer heißt hier die Devise und zumindest mir macht
das sehr viel Spaß! Und da es sich um einen italienischen Film handelt, dürfen
hier Männer auch noch Macho-Männer und Frauen echte Powerfrauen sein, und auch
die so typischen Schlägereien kommen natürlich nicht zu kurz
Die Effekte des Films sind natürlich größtenteils grottig. Einen
besonders schönen technischen Patzer gibt es in einer Szene auf dem Mond zu
bestaunen, als offenbar ein Techniker vergessen hatte, den Strom für den
Sternenhimmel anzuknipsen, und die Sterne daher mit deutlich Verzögerung
plötzlich am Himmel erscheinen

Geradezu grottenschlecht sind leider
sämtliche Bluescreen-Effekte im Film, da war auch die italienische Filmtechnik
schon wesentlich besser. Übrigens ist auch für Laien deutlich erkennbar, dass
das Arkon-Beiboot in einigen Szenen nur durch die Luft geworfen und die gefilmte
Sequenz dann verlangsamt abgespielt wurde (wodurch nun jede Verschmutzung
im Filmmaterial sehr eingehend bewundert werden kann

), was wirklich extrem
billig aussieht. Für die Energiestrahlen wurde übrigens auf die gute alte
"wir zerkratzen das Negativ"-Technik zurückgegriffen, die bereits in
Fritz Langs Klassiker "
Metropolis" zum Einsatz kam und auch in
Sid Pinks dänischem SF-Heuler "
Journey
to the Seventh Planet" Verwendung fand.
Übrigens taucht immer wieder die Information auf, dass Antonio Margheriti
(alias Anthony M. Dawson) für die Special Effekte des Films verantwortlich war,
was ich bisher aber nirgendwo verifizieren konnte.
Ganz besondere Beachtung verdient im übrigen der Soundtrack, der wahrhaft
unvergleichlich ist. Der geniale, gitarrenlastige Titelsong "
Seli"
wurde sogar kürzlich von der Werbebranche (wieder)entdeckt und für einen
Axe-Werbespot
verwendet! Die Musik ist großteils ohne Instrumente, rein lautmalerisch mit
einem Chor aufgenommen worden - und gleicht (insbesondere wenn man die Musik von
Platte hört) einem reichlich orgiastischen Gestöhne

Die Story: Eine Mondexpedition unter dem Kommando Major Perry Rhodans,
stößt auf ein notgelandetes Raumschiff der, den Menschen in technischer
Hinsicht weit überlegenen, Arkoniden (im Film ein
Ofen mit bunten Glasfenstern). Crest, der Chefwissenschaftler der Arkoniden,
leidet an Leukämie, für die man auf seiner Welt kein Heilmittel kennt. Mit einem Beiboot begibt man sich zur Erde, um ein
Gegenmittel aufzutreiben. Doch das Militär und der Gangster-Syndikatsboß Homer Arkin
versuchen alles, das hypermoderne und schwerbewaffnete Beiboot in ihre Gewalt zu
bringen.
Die deutsche Fassung ist leider an diversen wichtigen Stellen stark geschnitten. So
fehen z.B. die Sequenzen, in denen ein Roboter Militärfahrzeuge vernichtet, ein
Jeep per Antigrav durch Luft fliegt, und Homer Arkin am Ende doch noch in das Arkon-Beiboot
gelangt - und schließlich kurzerhand im All entsorgt wird. Allem Anschein nach
hat es in Deutschland auch nie eine längere Fassung gegeben; interessanterweise
beginnt aber der deutsche Kinotrailer gerade mit der Szene, in der Homer Arkon
schreiend (!!!) im All treibt... Übrigens wurde der Film Jahre später
(vielleicht auch wegen des beachtlichen Erfolgs der
EUROPA-Hörspielserie
in der
Uwe Friedrichsen als Perry und
Judy Winter als Thora
glänzten) unter dem Titel "
Kampf der Planeten"
wiederveröffentlicht - mit dem schönen Slogan "Millionen warten auf
diesen Film".