Nicht nur die Japaner können riesige, rotglühende Planeten auf die Erde zurasen lassen, wie in "
UFOs zerstören die Erde", auch die Italiener waren in den 60er Jahren Meister darin, unseren blauen Planeten (bzw. die bemalte Pappscheibe, die ihn symbolisierte D; ) solch gewaltigen Bedrohungen aus den Tiefen des Alls auszusetzen.
ORION 3000 - Raumfahrt des Grauens ist bildgewordene 50er/60er-Jahre Pulp-SF at it's best und nimmt damit für mich einen festen Platz neben Highlights wie
"
Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort" ein, mit dem er sogar seine tiefrote Optik teilt. Waren nämlich bei MR-1 sämtlich Szenen auf dem Mars tiefrot eingefärbt, so sind es bei Orion die Sequenzen im Innern des lebenden (!!!) Planeten, der die Erde bedroht. Gerade diese Szenen, in der drei Astronauten in das Innere des
lavaartigen Planetoiden eindringen, das aus pulsierenden Felswänden, zischenden Nebeln und mit roter Marmelade gefüllten, tranparenten Schläuchen besteht, muß ich vor Antonio Margheritis visueller Phantasie und Einfallsreichtum wieder den Hut ziehen - diese Szenen sind einfach unglaublich
intensiv gemacht!
Kenner der Materie werden natürlich wissen, dass es sich bei diesem Film um einen Teil von Margheritis unvergleichlicher
Gamma-Uno-Quadrology handelt. Ähnlich wie "
Tödliche Nebel" spielt auch Orion 3000 fast ausschließlich in der Raumstation
Gamma-1 und im Weltraum - und präsentiert sich damit als Space Opera par Excellence... im schönsten Trash-Gewand. Und der Italo-SF-Fan weiß natürlich auch genau, was ihn hier erwartet: fliegende Bunsenbrenner, Astronauten, die an deutlich sichtbären Drähten im Weltraum "schwimmen", Styroporasteroiden und Spielzeugstädte. Dabei muß einmal betont werden, dass die Effekte für die Zeit in der sie entstanden (und vor allem auch angesichts des minimalen Budgets) den Vergleich zu US- oder japanischen Produktion jener Zeit keinesfalls zu scheuen brauchen; es gelingt Margheriti immer wieder, Sets zu kreieren und Weltraumszenen zu inszenieren, die einfach verdammt gut aussehen. Und Margheritis Zukunftsstädte sehen in jedem Fall sehr viel besser, echter und fasziniernender aus, als die
Modelleisenbahn- landschaften im anerkannten Klassiker "Flucht ins 23. Jahrhundert".
Aber ich will den Fim jetzt garnicht zum verkannten SciFi-Klassiker hochstilisieren (was er aber natürlich zweifelsohne ist

), das hat er auch garnicht nötig. Die damaligen Verleiher hatten mit ihrer faszinierenden Titelgebung nämlich im Grunde schon den Nagel auf den Kopf getroffen: der naiv bunte Trash-Charme von "
U2000 - Tauchfahrt des Grauens" begegnet hier der augenzwinkernd militaristischen Hardcore-Tech-SF von "
Raumparouile Orion" - was mir in diesem Fall ganz ausgezeichnet mundet.
Die Story: Unerklärliche Naturkatasthophen, Stürme und Erdbeben erschüttern die Erde. Da man vermutet, dass die Ursache der Katastrophen irgendwo im Weltraum zu finden ist, startet Commander Rod Jackson zur Raumstation Gamma-1, um dort ein Weltraumteleskop zu montieren. Als die Katastropphen auf der Erde immer erschreckender werden, startet Jackson mit einer kleinen Flotte, um einem Notruf nachzugehen, der mit den seltsamen Phänomenen zusammenhängen könnte. Tatsächlich stößt man auf einen
bedrohlich aussehenden rotglühenden Planeten, der alles in seiner Umgebung in sich hineinzuziehen scheint. Jackson ist überzeugt, dass der Planetoid die Katastrophen auf der Erde auslöst und landet mit einer kleinen Mannschaft, um mit einer Antimaterie-Bombe den Himmelskörper zu vernichten. Zu spät stellt man fest, dass der lavaglühende Planetoid in Wahrheit ein Lebenwesen ist, in dessen Innern es alles andere als gemütlich zugeht...